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"ES IST VOLLBRACHT"
Die Annastift-Kirchengemeinde weiht
am 17. Januar 2008 einen neuen Altar aus Eisen und Bronze zum
Thema "Es ist vollbracht" ein.

Foto: Marcel Domeier |
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Mittelteil
220x120cm
(Bronze, Eisen Wachskreide) |

Foto: Marcel Domeier |
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Linker Flügel (Maria und Johannes)
120x100cm
(Eisen, Bütten Graphit) |
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Rechter Flügel (Der Auferstandene)
120x100cm
(Eisen, Bütten Graphit) |

Foto: Marcel Domeier |
Wandgestaltung im Andachtsraum
4x6m (Wachskreide und Bronze) |
Mein Arbeitsthema für
den dreiteiligen Altar ist der letzte Satz Jesu am Kreuz:
"Es ist vollbracht"
Diese letzten Worte schrieb uns der Evangelist Johannes auf.
Ein starker, furchtloser Jesus begegnet uns im Johannesevangelium.
Diese Erzählung von Jesu Tod am Kreuz unterscheidet sich
stark von den Berichten der anderen Evangelisten. Bei Johannes
trägt nicht Simon von Kyrene, sondern Jesus selbst das Kreuz.
Er bricht nicht unter der Last der Folter zusammen. Er schreit
auch nicht verzweifelt: "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?"
Er erträgt das Leid bis zum Tod und kann am Ende sagen "Es
ist vollbracht".
Das überlieferte Kreuz, wie es uns auch in der Bildenden
Kunst der letzten 2000 Jahre immer wieder vorgeführt wurde,
ist für mich kein Hoffungszeichen. Diesem Bild von Gott,
der keinen anderen Plan hat, um sich mit uns seinen Geschöpfen
zu versöhnen, als durch Folter und Tod eines Menschen, müssen
wir neue Bilder entgegensetzen, Jesus ist nicht für uns
gestorben, er hat für uns gelebt.
Er hat sich dem Menschen zugewandt und ihnen Hoffnung gegeben.
Ein wesentliches Kennzeichen des Glaubens ist die Gemeinschaft
mit anderen und hier-für steht der linke Flügel mit
der Darstellung der Maria und des Johannes.
"Deine Mutter", "Dein Sohn", sagt er und
seine letzten Gedanken gelten der Gemeinschaft und das niemand
mit seinem Schmerz in der Welt alleine ist.
Der sichtbare Mittelpunkt und auch der Schwerpunkt meiner Gestaltung
des Altars, sind zwei Linien die sich überschneiden, sich
kreuzen.
Und diese Gestaltung wird von dem Altar hinein in den Raum getragen.
Die vertikale Linie stellt die Beziehung zwischen Gott und dem
Menschen dar. Die horizontale die Bezie-hung zwischen den Menschen.
Der Altar zeigt in seinem Mittelteil diese beiden Achsen. Es
ist kein Holzkreuz dargestellt, wie die Geschichte erzählt.
Kein Werkzeug der Folter, der Tötung. Zwei Linien, spontan
gezeichnet, eingeritzt, ein Zeichen für uns, eine Markierung.
In der Mitte, wo sich diese beiden Linien treffen, finden wir
den Menschen, den Gekreuzigten. Auf dem rechten Flü-gel
der Auferstandene, als Zeichen der Hoffung. Auf dem linken Flügel
werden Maria, die Mutter Jesu und Johannes dargestellt.
Diese Darstellungen, sowohl des Gekreuzigten, modelliert in Wachs
und dann in Bronze gegossen, als auch die gezeichneten und auch
gemalten Figuren auf den beiden Flügeln sind skizzenhaft,
"unfertig" gehalten, "roh", suchend geformt,
nicht ausmodelliert. Das Herantasten an die Form, das Suchen,
das Einkreisen des Themas wird in der Arbeits-phase gestoppt,
in der mich die größte Spannung in der Arbeit erreicht.
Diese Spannung soll in ihrem "non finito", wie man
in der italienischen Renaissance zu diesen Arbeiten sagte, sichtbar
bleiben und dem Betrachter ein Weiterdenken und Selber-Finden
im "Ge-strüpp" von Linien und Formen ermöglichen.
Der Besucher und Betrachter soll hier einem Kontrast zu Gewohntem,
nämlich Fertigem, Unveränderbarem in unserer perfektionierten
Welt gegenübertreten. Es gibt nichts Fertiges. Wer sich
mit Kunst befassen will, muß ler-nen und bereit sein, fremde
Sprachen lesen zu lernen und hierbei soll die künstlerische
Arbeit in ihrer "Nicht-Vollständigkeit" und meditativen
Spannung dem Dialog zwischen Mensch und Gott dienen.
"Es ist vollbracht", dieser Satz, der uns auch sagt,
dass es eine Gemeinschaft zwischen den Menschen und den Weg zu
Gott gibt, treffen wir in einer Gestaltung im Raum an der Wand
wieder. Eine Kreuzdarstellung, die durchaus an traditionelle
Kreuzstationen erin-nern könnte, aber doch eine eher unübliche
Auseinandersetzung mit dem Thema des Kreuzes darstellt.
Eine horizontale und vertikale rote Kreidelinie wird auf die
ganze Fläche der Wand gezo-gen. In ihrem Schnittpunkt wird
ein Kreuzfragment aus Bronze angebracht, auf dem sich die Linien
plastisch fortsetzen (eingeritzt sind).
Die Kreuzbilder im Mittelteil des Altares und an der Wand laden
den Betrachter ein, sich auf einen Meditationsweg einzulassen,
der dann über das Kreuz hinausführen kann.
Die Kreuzestafel im Mittelteil des Altares soll eine von Arbeits-
und Rostspuren gekenn-zeichnete Metallplatte sein. Sichtbare
Arbeitsspuren auch auf den Bildern der Flügel sollen sich
durch einen Nichtperfektionismus, durch Individualismus, durch
eine Handschrift hervorheben.
Wir hinterlassen alle im Leben Spuren. Alles ist in Bewegung.
Alles vergeht und kommt wieder aber nichts war umsonst.
Entstehung
des Altars (Arbeitsfotos) 2007
Julia
Helmke Der Flügelaltar von Peter Marggraf und Gedanken zu
Kunst und Kirche heute
Eva Lachner
Kunst und Kirche - Rede zur Einweihung des Altars
Ich arbeite so,
wie ich glaube, für mich arbeiten zu müssen.
Ein Gespräch, das Rosemarie Wagner-Gehlhaar für die
Sendung Im Anfang war das Wort: Die Bibel auf NDR
Info mit Peter Marggraf geführt hat
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