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TOTENTANZ
Clemens Umbricht - Ein Gedicht
Peter Marggraf - Bilder

 

Ein Leporello für die Sammlung Hartmann in der Landesbibliothek in Bregenz

Das Leporello wurde im Frühjahr 2010 in der San Marco Handpresse hergestellt. Clemens Umbricht hat sein Gedicht auf die Blätter
geschrieben. Peter Marggraf hat Bilder mit roter Gouache gemalt.
Auseinandergefaltet mißt die Arbeit 7x0,36 m und liegt in einer Leinenkassette (40x55 cm)
Schon
2008 wurde Peter Marggraf beauftragt, für die Sammlung Hartmann in der Bregenzer Landesbibliothek eine Mappe anzufertigen. Es war das Thema "Kreuzigung", nachdem er schon in den Jahren vorher drei Mappen zu Handschriften von Dichtern gestaltet hatte: Günter Coufal (Venedig), Gerd Kolter (Einen Augenblick Ruhe) und Peter Piontek (ERGO). So ist dieses Leporello nun die fünfte Arbeit von Peter Marggraf , die sich in der Bregenzer Landesbibliothek befindet.

 

 

 

Clemens Umbricht

TOTENTANZ 2006

„... und unten zerschellt das Gerippe.“
Goethe, „Der Totentanz“

 

1
23 Vertreter verschiedener Stände begegnen dem Tod.
Sie treffen ihn im Rahmen ihrer Geschäfte
zu einem Stehlunch. Man neigt sich einander
einzeln oder in Gruppen in lockerem Gespräch zu.
Wie mit jedem Präsidenten ist mit ihm nicht zu spassen;
er könnte sofort einen Krieg entfachen.

2
In Diplomatenkreisen nennt man ihn Gevatter Tod.
Den Herrn des Rades. Den Meister der Brücke.
In dieser Konstellation vergleichbar mit Freund Hein
von der Achse des Bösen. Dem schönen Jüngling. Der Sanduhr.
Der Farbe Schwarz. Gemeint ist hier weder der Tod
noch der, der mit ihm tanzt, sondern die Folter.

3
Man trifft sich in diesem netten Hotel mit fünf Sternen,
trägt gelbe Sonnenbrillen, räkelt sich auf der Chaiselongue
und geniesst die Aussicht auf das bleigraue Meer.
Überall ruhige Musik, keinerlei Hektik, alles überlegen ewig,
die Hölle bis auf weiteres nicht mehr als ein Zeitvertreib
für Leute wie sie, unsterblich und mit Stil.

4
Anderswo, im Fadenkreuz von Infrarot-Stilleben,
sind die alten Schreckensbilder umso realer.
Wenn das Opfer weiss, was geschehen ist, leuchten die Knochen
bereits hell wie Wüstenstaub. Mit dem schnellen medialen Tod
lässt sich weltweit nur schlecht tanzen, zu Tausenden,
mit den alten Holzschuhen und der Sense in den Händen.

 

Anmerkung: Die Zahl 23 bezieht sich auf die 23 Szenen des Totentanzes
des Luzerner Malers Jakob von Wil (gest. 1618/1619).

Mehr Informationen über Clemens Umbricht finden Sie hier

 

 

 

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Alle Abbildungen des Totentanzes finden Sie hier