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Zur Ausstellung Peter Marggraf, Haus Nottbeck, 2017

 

Von Rolf Birkholz

Neue Westfälische, Gütersloh, 26. Juli 2017

 

Die Literatur ist das eigentliche Thema des Kulturgutes Haus Nottbeck. Doch der ist die Kunst des Büchermachens eng verwandt, und die bildende Kunst steht nicht fern. Im Werk des Bildhauers, Zeichners, Druckers, Büchermachers Peter Marggraf findet alles zusammen. Der Vielfalt seines Schaffens bietet nun in ausgewählten Stücken das kleine Gartenhaus von Nottbeck großartig Platz.  

   Drei bildhauerische Arbeiten akzentuieren den Raum. Die „Zurückweichende Figur“ (Terracotta), die „Stehende Figur mit vor der Brust gekreuzten Armen“ und ein Bronze-„Kopf“. Aber diese Akzente dominieren nicht, sie weisen auf die grafischen Blätter an den Wänden hin und auf die handgesetzten oder zumindest handgebundenen Bücher mit Texten klassischer wie zeitgenössischer Autoren und auf die Mappenwerke in den Vitrinen hin, denen sie gleichsam entstiegen scheinen. 

   „Immer steht im Mittelpunkt seiner Arbeit der Mensch“, zitierte der Dichter Hans Georg Bulla vor den zahlreichen Eröffnungsgästen aus einem „Steckbrief“ des 1947 geborenen, im Neustadt am Rübenberge ansässigen, in etlichen Sammlungen vertretenen Künstlers, Träger des Niedersächsischen Kunstpreises. Der Mensch werde in all seiner Verletztheit und Verletzlichkeit gezeigt. Dabei erscheine die menschliche Gestalt „so archaisch wie heutig“ und könne die Frage aufkommen lassen: „Was tut der Mensch dem Menschen an?“ 

   Marggraf gehe bei seinen Tonarbeiten und Bronzen mit „existenzieller Ernsthaftigkeit“ zu Werke, erläuterte der aus Dülmen stammende, heute bei Hannover lebende Droste-Preisträger Bulla. „Jede trägt die Spur der Hände, aus denen sie hervorgegangen ist.“ Nach Art des „non finito“ würden Wunden, Behinderungen, Deformationen, der Mensch in seinem Beschädigtsein und zugleich in seiner Würde gezeigt.  

   Marggrafs Glaube an „das anders Mögliche“, habe ihn in jüngerer Zeit auch Ausstattungsstücke für Sakralräume fertigen lassen, so Bulla weiter. Und er wies auf eine Gestalt der heiligen Edith Stein, der zum Katholizismus konvertierten Jüdin, im Dritten Reich umgebrachten Nonne in einer Göttinger Kirche ebenso hin wie auf einen Christus für eine evangelische Kirche in Borken. Der sei geformt als „ein Einladender und ein um Communio, Gemeinschaft, Bittender“. 

   Was stilistisch für die Plastiken und Skulpturen gilt, trifft weitgehend auch auf die Zeichnungen und Radierungen zu, die Marggraf den in seiner San Marco Handpresse teils in Bleisatz gedruckten Büchern mit Texten etwa von Georg Büchner, Franz Kafka, Georg Trakl, Ingeborg Bachmann, Samuel Beckett oder zeitgenössischen Dichtern einlegt, deren prominentester Bulla selbst ist. Es sind indes nicht Illustrationen, sondern eigenständig aus der Literatur geschöpfte Bilder. Ausgestellt sind etwa Blätter zu Thomas Manns „Tod in Venedig“ aus Marggrafs Venedig-Projekt, zu Büchners „Woyzeck“ und  zu „Er ist barhäuptig, barfüßig“ von Beckett. „Da war Suhrkamp großzügig“, meinte der frühere Suhrkamp-Autor Bulla zu den Schwierigkeiten, die Druckgenehmigung für Texte zu bekommen, die Vielleser Marggraf für seine Linotype-Setzmaschine von 1928 auswählt. 

    „Peter Marggraf ist ein Handarbeiter in all seiner Disziplin und im alleranspruchsvollsten Sinne“, erklärte Bulla, der einstimmend einige der besten Gedichte aus seinem jüngsten Band „Wie an jedem Tag“ vortrug. Er nannte Marggraf einen „homo faber“. Der wolle „den Stoff des Lebens wahrnehmen“ für „das Bild des Menschen“.

 

 

 

 

 

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